Weingut Braunewell
Rebschnitt, Weingut Braunewell

Schon lange gehen wir neue Wege im Rebenanbau und auch im Weinausbau. Heute bewirtschaften wir 17 Hektar Reben in Essenheim und Elsheim. Hier kommt uns die Natur entgegen, hier im nördlichen Rheinhessen, bietet sie uns eine breite Palette herausragender sehr unterschiedlicher Böden und Lagen
Die Erfahrungen, die wir über Generationen sammeln konnten, verbunden mit den Erkenntnissen unserer Zeit und einer großen Portion Idealismus und Leidenschaft sind Richtschnur für unser Handeln.
Unsere Reben wachsen in den besten Weinbergslagen des klimatisch milden, hochgelegenen Nordens, in Rheinhessen. Es sind die Lagen „Teufelspfad“ und „Römerberg“ in Essenheim und die „Blume“ in Elsheim.
Die süd-südwest Hänge erwärmen sich in der Sonne, die Kalkknollen speichern die Wärme und geben sie in der Nacht an ihre Umwelt ab. Das macht unsere Weine so gehaltvoll, kräftig und vollmundig.
Wir mähen oder mulchen die Gräser und Kräuter in unseren Weinbergen. Hierdurch wird der Humusgehalt in unseren Böden verbessert und das Bodenleben aktiviert.

Lesen Sie auf diesen Seiten mehr zu unseren Böden, zu den Lagen und versuchen Sie zu verstehen, warum wir hier niemals weg wollen!

In unseren Weinbergen setzen wir nur nützlingschonende Pflanzenbehandlungsmittel ein. Somit fördern wir das Gleichgewicht in der Natur, indem wir den natürlichen Feinden der Schädlinge in den Weinbergen beste Bedingungen für Fortpflanzung und Vermehrung schaffen.
Schon beim Rebschnitt im Winter schneiden wir weniger Fruchtknospen an und senken damit den Traubenertrag erheblich. Denn weniger Menge gibt mehr Qualität.

Weingut Braunewell

Nur unsere Premium Weine tragen den Namen
der Lage auf dem Etikett:
Blume
Teufelspfad
Römerberg

Die Lage bezeichnet eine abgegrenzte Rebfläche.
Die Lagennamen haben sich im Laufe der Jahrhunderte im Volksmund entwickelt und bezeichnen Eigenschaften, Gegebenheiten oder Geschichten, die auf diese Stück Rebfläche zutreffen.
Während bis 1971 viele kleine Weinbergslagen wie der Reitenberg, der Engeweg, der Klopp oder der Morruff existierten, wurde diese in Essenheim nach dem neuen Weingesetz zu den bekanntesten Namen Römerberg und Teufelspfad zusammengeschlossen.
Zur Vereinfachung wurden die Lagen damals zusammengeschlossen, dies ist einfach für den Verbraucher, wird den Lagen mit ihren Böden und Geschichten aber nicht gerecht. Deshalb haben wir uns entschieden nur unsere Spitzenweine aus den Kernlagen mit dem Lagennamen zu bezeichnen.
Die Einzellage wird mir der Ortsbezeichnung auf dem Etikett genannt, so gedeihen Braunewell Weine zum Beispiel im „Essenheimer Teufelspfad“ oder in der „Elsheimer Blume“.
Im Gegensatz zu den austauschbaren Qualitätsbezeichnungen, beschreiben die Lagen so jedes Jahr wieder aufs Neue den Charakter des Weines. Grundlage sind alte Rebstöcke, niedrige Erträge und späte Lese, damit die Lage im Wein voll zur Geltung kommt.

Die bekannteste Lage im nördlichen Selztal. Namensgeber der „Blume“ ist die kleine Lage „In der Blum“, in deren Herzstück unsere Reben wachsen.
Woher der Name genau stammt ist nicht überliefert, doch beim Verkosten der floralen Aromen, etwas süß, duftendes von Rosen, Veilchen, vegetativ und zurückhaltend, wie der Löwenzahn in unseren Weinbergen und duftend wie ein ganzer Strauß, so kommt die Blume daher!

Braunewell

Der Boden ist geprägt von kräftigem, tertiären Mergel. Der hohe Kalkanteil lässt sich schon an der Anzahl Schnecken im Frühjahr und der vielen Fossilien aus Meereszeiten erahnen. Dazu kommt kräftiger Ton. Ein Boden, der alles bietet was die Rebe braucht. Das ganze in einem Süd-West-Kessel, geschützt vor Wind und Wetter. Steil, früher zu steil für Traktoren, sodass Terrassen angelegt wurden.
Alles in allem: Ein Schmuckstück, die Blume!
Wo früher der Riesling richtig war, da ist er es auch 35 Jahre später noch. Die moderne Ergänzung für die heißeste all unserer Lagen kommt vom Süden und heißt Merlot. Ein Spannungsfeld, was jedes Jahr bis zum letzten Herbsttag ausgenutzt wird und ein idealer Standort, nicht nur für die Reben, sondern auch für unseren Herbstabschluss!
In der Blume ernten wir unsere beiden Spitzenwein, den Blume • Riesling und Blume • Merlot.
Verkosten Sie diese Weine und sie werden verstehen, weshalb die Blume ihren Namen trägt.

Unterschiedlicher könnte eine Lage wohl kaum sein!
Im Teufelspfad finden sich in den alten Lagen „Zu Morruff“ und „Am Klopp“ am Hangkopf die interessanten und seltenen Kalkstein Böden (Terra Fusca) wieder. Auf diesen besonderen Böden wachsen in einer Steigung von bis zu 30 %, an der Grenze der maschinellen Bearbeitung, unsere Riesling Reben für den „Kalkstein“. Ebenso interessant wird der Silvaner vom Kalkstein werden. Wer einmal mit dem Schlepper die steilen Hänge hinab fährt, fühlt sich den Teufel auf seinem höllenritt nahe. Im Teufelspfad.

Braunewell

Im weiteren Verlauf des Hanges finden wir die stark kalkhaltigen Böden des tertiären Mergel am „Am Stadeckerweg“, „Am Millesand“ oder „Hinterm Hohlweg“. Sie sind bestens geeigent für kräftige Burgunder, egal ob grau, weiß oder spät!
Zum Hangfuss in Richtung Selz finden wir „Im Brinkel“ oder „Am Holler“ teifgründige Schwarzerden aus Löß. Sie gehören zu den besten Böden, für kräftig Rotweine und extrem ausladende Burgunderweine.
Am „Reutenberg“ oder „Reitenberg“ findet sich angewehter Löß-Sand. Mit einer Steigung von teilweise über 30 % bietet sich auf dem süd-südost Hang ideale Bedingungen für den Riesling vom Gelben Sand.
Eine Lage – viele Böden – unendliche Geschichten. Der Teufelspfad bietet alles, was ein Winzer braucht, deshalb haben wir ihn so gerne, den Teufel, Entschuldigung: Teufelspfad.

Wie der Name schon sagt, ist der Römerberg eine alte, geschichtsträchtige Lage. Schon die alten Römer wussten, wo sie sich niederließen, um im Umland des Militärstandortes „Mogontiacum“, des heutigen Mainz, die Versorgung der Bevölkerung, der Herrschenden und der zu belustigenden Krieger mit bestem Wein sicher zu stellen.

Braunewell

Die Römer brachten den Wein mit nach Rheinhessen und machten ihn hier populär.
Der Römerberg ist geprägt von Löß-Sand Böden. Der Boden kann ausreichende Wassermengen in pflanzenverfügbarer Form speichern. Ein optimaler Nährboden für die Weinrebe. Die Lage liegt zwischen 220 und 235 m über NN, auf dem Plateau. Die offene Angriffsfläche für den Wind führt in den Originallagen „Auf der Steinkaut“ und „In den 20 Morgen“ zur späten Reife der Trauben und intensiver Aromaausprägung.
Dies macht den Römerberg zur optimalen Weißweinlage. Hier ernten wir in den kältesten Jahren unseren Römerberg • Riesling Eiswein.
Am Hangkopf, in der Originallage „Auf’m Klopp“ an der Grenze zu den Abhängen des „Teufelspfad“ finden wir den Kalkstein „Terra Fusca“ wieder. Hier steht unser mineralischer Römerberg • Chardonnay.

Bodenkarten

Die Bodenvielfalt im Norden Rheinhessens ermöglicht uns den facettenreichen Ausbau unserer Weine und den Anbau unterschiedlichster Rebsorten.
Unsere Böden sind geprägt von Kalkstein, tertiärem Mergel, kalkhaltigem Ton, Löß-Sand und Löß (Schwarzerde). Jeder Bodentyp gibt dem Wein seinen individuellen Charakter.

Mehr Informationen dazu auf den Internetseiten vom
Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz

Kalkstein – Terra Fusca

Kalkstein

Entstehung: Dieser Boden entwickelte sich aus Kalkstein, der wiederum auf ein vor 23 Millionen Jahren entstandenes Kalkalgenriff zurückgeht. Am Ende des Tertiär setzte unter subtropischen, feuchtwarmen, festländischen Bedingungen Lösungsverwitterung ein. Die schlecht löslichen, nicht kalkigen Bestandteile, die im Kalk zuvor als »Verunreinigungen« eingelagert waren, blieben zurück und bildeten eine lehmige oder tonige Schicht, den so genannten Residualton.
Der so entstandene Boden verdankt seine kräftig-braune Farbe den Eisenanteilen, die zu bräunlichen Eisenoxiden (z.B. Goethit) umgewandelt wurden. Material wurde immer wieder abgetragen und Solifluktion vermischte die aufliegende Residualtonschicht mit dem darunter liegenden Kalkstein. Abschließend wurde noch ein dünner Lößschleier abgelagert. Aus diesem Löß stammen auch die heutigen Kalkgehalte.

Bodeneigenschaften: Die Charakteristik dieses Bodens gründet auf seinem hohen Anteil an Ton (80%). Er kann viel Wasser speichern, einen großen Teil bindet er allerdings so fest, dass die Reben ihn nicht nutzen können. Durch den hohen Wassergehalt im Frühjahr erfolgt die Erwärmung des Bodens verzögert. Der Lößanteil und die Bindungsfähigkeiten der Tonminerale gewährleisten eine gute Nährstoffversorgung bei hohem Kalkgehalt. Der sehr steinige Untergrund ist nur schwer durchwurzelbar, ältere Reben, die dieses beschwerliche Unterfangen vollbracht haben, können allerdings auch in Trockenphasen immer Wasser und Nährstoffe aus der Tiefe erreichen. Eine schonende Bodenpflege, die die Chlorose der Reben weitgehend verhindert und die Bodenstruktur stabilisiert, lässt auf diesem Standort besondere Rieslingweine entstehen.

Weincharakteristik: Rieslinge mit eleganter, kühler Mineralik - vor allem in der Länge des Weines. Feste, salzige Aromen sind kombiniert mit der frischen Frucht der Traube. In der Jugend sind die Weine verschlossen. Sie sind gehaltvoll und fruchtig. In guten Jahren haben sie sehr großes Entwicklungspotential.

Vorkommen: Der Boden prägt den Hangkopf, Übergang vom „Teufelspfad“ zum „Römerberg“ und einige Parzellen in der „Blume“.

Quelle: Böden.Steine.Terroir, Rheinhessenwein, 2003

Mergel

Mergel - Pararendzina

Entstehung: Ausgangsmaterial dieses Bodens sind 31 bis 24 Millionen Jahre alte Meeresablagerungen. Diese tertiären Mergel entstanden zu einer Zeit, als die Verbindung zu den Weltmeeren allmählich unterbrochen wurde. Es sind sehr kalkreiche Sedimente, hauptsächlich unverfestigte Tone mit sandigen Einschaltungen. Das Profil schließt auch eine der vereinzelt vorkommenden Kalksandsteinbänke auf.
Die eigentliche Bodenbildung setzte nachkaltzeitlich mit oberflächlichen Entkalkungs- und Verwitterungsvorgängen ein, immer begleitet von gleichzeitigen Abtragungsprozessen. Typisch in den stark geneigten Hangpositionen ist die fortwährende Erosion der Oberfläche, so dass verwitterter Mergel immer wieder abgetragen wurde. Wegen dieses durch die weinbauliche Nutzung verstärkten Prozesses tritt heute nahezu unverändertes Ausgangsmaterial zu Tage.

Bodeneigenschaften: Herausragende Eigenschaften dieses Bodens sind sein sehr hoher Kalkgehalt und sein großes Wasserspeichervermögen. Die Wasser- und Nährstoffversorgung im gesamten Boden ist gut. Der Gefahr der Staunässe in einem feuchten, kühlen Frühjahr kann durch geschickte Bodenbearbeitung gegengesteuert werden. Das günstige Bodengefüge stellt eine ausreichende Durchlüftung sicher.

Weincharakteristik: Die Weine zeigen eine sehr starke Mineralik, Dichte und Länge. Die Reifeentwicklung verläuft langsam, bedingt durch die Menge der eingelagerten Mineralstoffe sowie durch die Konzentration an Säure.

Vorkommen: Der Boden prägt den mittleren Hang des „Teufelspfad“.

Quelle: Böden.Steine.Terroir, Rheinhessenwein, 2003

Tonmergel – Pelosol

Ton Total

Entstehung: Ausgangsmaterial dieses Bodens sind 31 bis 24 Millionen Jahre alte tonige Meeresablagerungen des tertiären Mergels. Ein hoher Anteil des Tones sind spezielle quellfähige Tonminerale. Sie lagern freies Wasser in ihrem Kristallgitter ein und dehnen sich dabei aus. Wenn sie dieses Wasser bei Trockenheit allmählich wieder abgeben, nehmen sie ihr ursprüngliches Volumen wieder an. Diese Quellungen und Schrumpfungen im Jahreszeitenwechsel führten im Laufe der Entwicklung dieses Bodens zur Ausbildung eines speziellen Bodengefüges. Es bildeten sich sehr dichte, vieleckige, scharfkantige Körper, Polyeder genannt, mit dazwischen liegenden Trennflächen. Beim Schrumpfen bilden sich entlang dieser Trennflächen Schwund- oder Trockenrisse. An der Oberfläche können solche Trockenrisse bis zu einem Zentimeter Breite beobachtet werden. Der obere erkennbare Horizont ist ein Rigolhorizont. Er ist vom Menschen nachträglich humusangereichert, gelockert und mit Löß angereichert.

Bodeneigenschaften: Der hohe Tongehalt, insbesondere der Gehalt an quellfähigen Tonen, verleiht diesem Boden sehr ungünstige Eigenschaften. Der Boden kann viel Wasser speichern. Ein großer Teil davon ist jedoch zu fest gebunden, um Pflanzen zur Verfügung zu stehen. Dieser Wassermangel verstärkt sich bei der trocknungsbedingten Schrumpfung der Tonminerale noch zusätzlich. Im feuchten Zustand schließt der Druck des stark aufquellenden Materials die Poren des Bodens, was Luftmangel zur Folge hat. Dieser Druck kann Wurzeln abquetschen, erschwert die Durchwurzelung aber in jedem Fall. Die Nährstoff- und Kalkgehalte sind hoch. Der Boden erwärmt sich im Frühjahr nur langsam. Ältere Reben, die sich an die Verhältnisse angepasst haben, können bei begrenzten Erträgen gute und interessante Qualitäten liefern.

Weincharakteristik: Der kalkhaltige Boden liefert Weine mit hoher Mineralität und großer Nachhaltigkeit. Sie sind langlebig durch ihre gute Säurestruktur. Typisch: hohe Mineralität, hohe Dichte und Komplexität.

Vorkommen: Der Boden prägt die Terrassen in der Elsheimer „Blume“ und den Hangkopf am „Klopp“.

Quelle: Böden.Steine.Terroir, Rheinhessenwein, 2003

Löß-Sand – Rigosol

„Gelber Sand“

Loess

Entstehung: Wegen der kurzen Transportdistanz nimmt der Flugsandanteil mit zunehmender Entfernung zum Herkunftsgebiet der kaltzeitlichen Schotterfluren der Flüsse ab. So entstehen im Randbereich der Flugsandverbreitung Mischungen aus Löß und Flugsand. Wenn der Sandanteil den Lößanteil übertrifft, werden sie als Lößsande bezeichnet. Der schwankende Flugsandeinfluss ist in der horizontalen Bänderung im unteren Bereich des Profils gut zu erkennen. Man sieht, dass auf Phasen mit  vorwiegender Ablagerung von Löß solche folgten, die durch Flugsandanwehungen dominiert wurden.
Bereiche mit feinerer Körnung sind als hellere Bändchen zu erkennen. Dieser Farbunterschied spiegelt Kalkanreicherungen wider. Kalk wurde nachkaltzeitlich aus dem oben liegenden Material gelöst. In den Partien feinerer Körnung hat er sich wieder abgesetzt. Die mit der Kalkverlagerung seit dem Ende der Kaltzeiten begonnene Mineralverwitterung und Bodenbildung im oberen Bereich ist nicht mehr abzulesen, da die so entstandenen natürlichen Bodenhorizonte teilweise der Erosion zum Opfer gefallen oder im Rigolhorizont mit eingearbeitet sind.
Bodeneigenschaften
Die Lößbeimengungen haben diesen Boden, im Vergleich zu dem aus reinem Flugsand, deutlich aufgewertet. Er kann ausreichende Wassermengen in pflanzenverfügbarer Form speichern. Wegen seiner Sandanteile ist er zusätzlich sehr gut durchlüftet und erwärmt sich etwas schneller als reine Lößböden in ähnlicher Lage. Der problemlos durchwurzelbare Boden ist sehr kalkreich und stellt eine gute Nährstoffversorgung sicher. Daher liegt hier ein besonders günstiger Standort für Rot- wie Weißweine vor, zumal die Vegetationsentwicklung (Blüte, Reifebeginn) zügig und früh ist.

Weincharakteristik: Hohe Wasserspeicherfähigkeit ermöglicht eine optimale Ausprägung Rieslingraromen. Der hohe Kalkgehalt schafft die Voraussetzung für mineralische Weine mit hohem Extrakt. Die Tiefgründigkeit bedingt eine gute Nährstoffversorgung und bringt eine stabile Säure. Fazit: ein guter Boden zur Erzeugung langlebiger Rot- und Weißweine.

Vorkommen: Der Boden prägt eine besonders windoffene Kleinlage im „Teufelspfad“, den „Reitenberg“.

Quelle: Böden.Steine.Terroir, Rheinhessenwein, 2003

Löß (Schwarzerde) - Tschernosem

Entstehung: Das Ausgangsmaterial dieser Bodenbildung ist ausschließlich Löß. Die nacheiszeitlich weit verbreitete Bodenbildung aus Löß ist nahezu unverändert erhalten. Dieser Steppenboden wird wegen seiner kräftigen, dunklen Farbe auch als Schwarzerde oder Tschernosem (entliehen aus dem Russischen) bezeichnet. Er entwickelte sich in Rheinhessen vor etwa 11000 bis 7500 Jahren während einer Phase steppenartiger Bedingungen nach dem Ende der letzten Kaltzeit. Am Ende der trockenen Sommermonate fielen große Mengen trockener Gräser an. Die extreme Kälte der Winter und die Trockenheit der Sommer dieses Klimas ermöglichten jedoch keinen effektiven Abbau des abgestorbenen Pflanzenmateriales. In Jahrhunderten bis Jahrtausenden bildete sich der typische, schwarz-braun gefärbte, mächtige Humusanreicherungshorizont direkt über dem nahezu unveränderten Ausgangsmaterial. Nachdem diese Entwicklung durch feuchter werdende Klimate beendet wurde, änderte sich der Boden nur noch geringfügig.

Bodeneigenschaften: Die Eignung dieses Bodens als Pflanzenstandort ist hervorragend. Die positiven Eigenschaften des Ausgangsmaterials Löß werden durch die hohen Humusgehalte zusätzlich verbessert. Der Boden hat einen sehr günstigen Wasser- und Lufthaushalt. Ein Quadratmeter dieses Bodens kann alleine im oberen Meter 200 Liter Niederschlagswasser pflanzenverfügbar speichern. Er ist carbonat- und nährstoffreich und bis in größere Tiefe leicht durchwurzelbar. Aufgrund seiner dunklen Oberfläche erwärmt er sich rasch. Auffällig ist die große biologische Aktivität dieses Bodens. Auf diesem fruchtbaren Standort sind alle weinbaulichen Ziele realisierbar.

Weincharakteristik: Der kalkhaltige, tiefgründige Boden mit seiner guten Wassernachlieferung bringt fruchtige Weine mit feiner, erfrischender Säure hervor. Der Boden begünstigt gesundes Lesegut und eine späte Ernte. Dieser Boden ermöglicht die Erzeugung von Weinen in einer enormen Vielfalt.

Vorkommen: Der Boden prägt den auslaufenden Hang des „Teufelspfad“ zur Selz hin.

Quelle: Böden.Steine.Terroir, Rheinhessenwein, 2003